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Grafengehaig ist weiter auf dem Vormarsch: Nachdem erst vor Kurzem ein Dorfladen eröffnet wurde, konnte nun ein Hotel seiner Bestimmung übergeben werden. In ihm werden zwar keine Urlauber oder Promis wohnen, aber es ist ein großer Gewinn für die Natur: Es bietet nämlich zahlreichen Insekten Unterkunft. „Das Überleben unserer einheimischen Insekten wird immer schwieriger. Aufgeräumte Landschaften, der Eingriff des Menschen in die Naturlandschaft und Pestizideinsatz in der Landwirtschaft tragen ihren Teil dazu bei, dass für Insekten und Wildbienen ihre natürlichen Nistplätze verschwinden und das Nahrungsangebot für sie zurück geht“, sagte die Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Grafengehaig, Heike Söllner. Dabei spielen gerade Insekten im Naturhaushalt eine wichtige Rolle: Ein Teil von ihnen übernimmt die Pflanzenbestäubung, ein anderer die Schädlingsbekämpfung.
Das schönste im Landkreis
Mit dem Bau dieses Hotels ging für die Naturkids ein langgehegter Wunsch in Erfüllung. „Ein solches Bauwerk ist eine wunderbare Beobachtungsmöglichkeit, nicht nur für die Grafengehaiger Kinder, sondern auch für Schulklassen aus der Umgebung“, freute sich Heike Söllner. Eine Bestimmungstafel soll Einzelheiten des Bauwerks erklären.
Zu den Insekten, die das Wohnungsangebot einmal nutzen werden, zählen Wildbienen- und Wespenarten, aber auch Schmetterlinge, Käfer, Ohrwürmer und Florfliegen. Letztere mögen es am liebsten auffällig, daher wurden im Grafengehaiger Hotel zwei „Wohnbereiche“ in kräftigem Rot gestrichen. Die anderen Bewohner lieben es eher unauffällig und praktisch. Ihre Wohnräume bestehen aus Hartholzscheiben mit verschieden großen Bohrlöchern, markhaltigen Ästen wie Holunder oder Schilfrohr. Gefüllt wurde außerdem mit Holzwolle, Stroh, Lehm und Ziegelsteinen. Dabei haben in den letzten Wochen viele Helfer den Naturkids zur Seite gestanden, als diese das Hotel befüllten.
„Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, jedes Jahr fünf Vereine, die aktive Jugendgruppen haben, mit 1000 Euro für ein Projekt ihrer Wahlzufördern“, erklärte Lions-Club Präsident Bernd Müller. Das Geld stamme größtenteils vom Flohmarkt am Mönchshofgelände. „Es ist Geld aus der Region für die Region“, so Müller. Den Naturkids wünschte er viel Spaß und Freude beim Beobachten der Tiere.
„Euer Hotel ist das schönste im Landkreis Kulmbach. So etwas ist auch zur Nachahmung in den Gärten empfohlen“, sagte Kreisvorsitzender Günter Reif. „Ihr habt damit etwas Geschaffen, das in unserem Dorf für weiteres Leben sorgt. Ich bin stolz auf euere Arbeit“, freute sich auch Bürgermeister Werner Burger über das gelungene Werk.
Quelle: Bayerische Rundschau – 19. Mai 2010 |